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Ratgeber Umtopfen

Vorweg gesagt gibt es keine allgemeingültige Vorgehensweise für alle Pflanzen beim Umtopfen. Die einzelenen Arbeitsschritte richten sich nach vielen einzelnen Faktoren, als da wären: Zeitpunkt, Art der Pflanze, Gesundheitszustand, Standort, Herkunft usw. Eine detaillierte Beschreibung würde diesen Rahmen sprengen, deshalb ein paar grundsätzliche Anmerkungen, die i.d.R. für die meisten Pflanzen gelten (Ausnahmen bestätigen die Regel!).


Zeitpunkt ?
Es muss dann umgetopft werden, wenn das Substrat verdichtet oder verschlämmt ist und nicht mehr genügend Wasser, Sauerstoff und Nährstoffe aufnehmen kann oder wenn das seitherige Gefäss viel zu klein geworden ist. Auch sollte nach einigen Jahren das Substrat ausgetauscht werden. Allerdings sollte nach Möglichkeit nur im Frühjahr (kurz vor dem Austrieb) oder im Spätsommer bzw. Frühherbst umgetopft werden, wobei immer ein leichter Frostschutz/Winterschutz sicherzustellen ist. (auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen ...)
Welche Erde?
Es sollte immer ein "durchlässiges" Substrat mit guter Speicherkapazität verwendet werden. Was heißt das? Das bedeutet nichts anderes, als dass in der Erde feste, nicht zerfallende und/oder verottende Bestandteile enthalten sind, die einerseits Wasser und Nährstoffe aufnehmen und speichern können und andererseits genügend Sauerstoff in kleinsten Hohlräumen binden können. Ich verwende eine sog. "Grundmischung". Diese besteht aus guter Kompost- oder Blumenerde, Lavagranulat (Streugut ohne Salz), Bimskies (Körnung 2-4 mm), Splitt (Streugut ohne Salz) und/oder grobem Sand. Nicht verwendet werden sollte Kalksplitt. Man kann auch etwas Torf untermischen, sollte aber nicht zuviel sein. Als Grundmischungsverhältniss hat sich bei mir bewährt: 2-3 Teile Erde, 1 Teil Lava, 1 Teil Splitt oder grober Sand, 1 Teil sonstige Zuschlagsstoffe (Torf, Vermiculite, Akadama oder ähnliches). Je nach Pflanzenart kann und sollte die Grundmischung variiert werden. Bei Koniferen (Kiefer, Wacholder, Eibe usw.) etwas mehr Lava/Splitt/grober Sand, bei Ficusarten etwas mehr Torf. Bei Laubbäumen kann die Grundmischung verwendet werden. Bei Pflanzen die im Freien stehen können Hornspäne oder etwas Hornmehl zur vorbereitenden Düngung untergemischt werden (nicht bei Pflanzen in der Wohnung verwenden!). Immer sollte am Grund des neuen Gefässes eine Drainageschicht aus Kiesoder Splitt eingebracht werden, damit überschüssiges Wasser besser ablaufen kann.
Wie umtopfen?
Zuerst wird das benötigte Substrat und das erforderliche Werkzeug bereitgestellt, ein Wassersprüher und Giesswasser. Nun wird das neue Gefäss vorbereitet, d.h. kontrolliert ob die Grösse passt (etwas grösser als das Alte) und eine Drainage und etwas frisches Substrat eingebracht. Dann wird die Pflanze aus den alten Gefäss genommem und etwas der Wurzelbereich ausgeschüttelt. Grundsätzlich sollte vor dem Umtopfen nicht gegossen werden, da trockenen Erde sich leichter entfernen lässt. Allerdings nicht "Staubtrocken"!! Anschließend lockert man mit den Händen den Wurzelbereich auf. Es kann auch ein "Wurzelkamm" oder ein Stäbchen verwendet werden. Wichtig ist nur, dass die alte Erde auch im Inneren des Wurzelballens aufgelockert und teilweise entfernt wird. Zu lange und zu dicke Wurzeln werden mit einer scharfen und sauberen Schere entfernt. Feine Wurzeln sollten weitgehend erhalten werden. Während des "Auskämmens" sollte der Wurzelbereich immer mal wieder übersprüht werden, da die Wurzel sehr leicht Trockenschäden bekommen. Muss man mal die Arbeit unterbrechen, die Pflanze nie in der Sonne ungeschützt stehen lassen, Wurzelbereich immer mit einem feuchten Tuch abdecken und in den Schatten stellen oder in eine Schüssel mit Wasser stellen. Ist der Wurzelbereich genügend aufgelockert, kann in das neue Gefäss gepflanzt werden. Dazu wird die Pflanze auf ein Häufchen frisches Substrat gesetzt und mit leichten Drehbewegungen angedrückt. Anschliessend rundherum frisches Substrat auffüllen und mit einem Stäbchen (ich verwende einen alten Kochlöffel oder ein chin. Essstäbchen) in den Wurzelbereich einarbeiten. Dies solange tun, bis das Substrat bis ca. 1 cm unter den Schalenrand reicht, dann nochmals mit den Fingern das trockene Substrat andrücken, aber nicht "betonieren"!! Wenn nun die Pflanze gut in dem neuen Gefäss sitz, kann vorsichtig eingegossen werden. Sitzt die Pflanze zu locker im Gefäss (wackelt bei jeder Luftbewegung) muss entweder etwas mehr angedrückt werden oder, was immer zu empfehlen ist, mit einer weichen Schnur oder weichem Band befestigt werden. Grund: Neue Würzelchen sind sehr empfindlich und brechen bei der geringsten Belastung wieder ab und ausserdem können Vögel die frisch umgetopften Pflänzchen bei der Futtersuche "ausgraben" (ist kein Witz!). Wenn dies alles soweit erledigt ist kann vorsichtig gegossen werden. Es ist darauf zu achten, dass langsam gegossen wird, damit keine Erde ausgeschwemmt wird. Es muss so lange gegossen werden, bis nur noch klares Wasser aus der Öffnung am Boden des Gefässes austritt.
Weitere Pflege
Da ja i.d.R. beim Umtopfen auch ein nicht unerheblicher Teil der feinen Faserwurzeln entfernt wurde, muss auch ein Teil der vorhandenen Grünmasse entfernt werden, damit wieder ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wurzel- und Grünnmasse entsteht. Frisch umgetopfte Pflanzen können nur eingeschränkt Wasser und Nahrung verarbeiten und sind daher besonders anfällig für Trockenschäden und Schädlinge. Deshalb kann bereits beim Umtopfen ein systemisches Mittel gegen Schädlinge eingesetzt werden. Am Besten eignet sich hierfür Lizetan Combigranulat von Bayer. Durch die reduzierte Nahrungsverwertung nach dem Umtopfen muss auf eine Düngung für ca. 4 Wochen verzichtet werden, bis die für die Wasser- und Nahrungsaufnahme benötigten Fein- oder Faserwurzeln sich regeneriert haben. Bedingt durch die eingeschränkte Wasserversorgung, muss auf ausreichend Feuchtigkeit geachtet werden. Der Boden sollte auf keinen Fall austrocknen, allerdings darf er auch nicht durchgehend nass sein! Fingerprobe! Umgetopfte Pflanzen sollten unbedingt halbschattig und vor direkter Mittagssonne geschützt stehen, wobei auch darauf zu achten ist, dass sie auch relativ windgeschützt stehen, da Wind den Wasserverbrauch zusätzlich fördert. Regelmässiges und häufigeres Übersprühen verhindert weiteres Austrocknen und senkt den Wasserbedarf der Pflanze. Hat sich der neue Austrieb stabilisiert, so kann langsam mit einer leichten Düngung begonnen werden, sofern keine Hornspäne oder Hornmehl verwendet wurden. Wurde die Pflanze gut im neuen Gefäss befestigt und hat sich der Neuaustrieb stabilisiert, so kann sie langsam wieder an ihren alten Standord gebracht werden. Bei extremen Standorten wie z.B. Balkon oder Freistehend, sollte die Wartezeit ggfls. um 2-3 Wochen verlängert werden. Bei falscher Versorgung nach dem Umtopfen können sehr leicht Trockenschäden entstehen, die u.U. irreparabel sein können und zum Absterben ganzer Astpartien oder, im schlimmsten Falle, zum Totalverlust führen können.
Zum Schluß
Das verwendete Werkzeug muss gereinigt werden. Im Boden siedeln auch Schadbakterien. Unsauberes Werkzeug kann Bakterien an Schnittstellen übertragen, was speziell im Wurzelbereich zu grossen Problemen führen kann. Nach Möglichkeit keine Garten- oder anderweitige Erde verwenden, da diese meistens bakteriell belastet sind. Wenn, dann vorher für 5 Minuten in die Mikrowelle. Um ein Ausschwemmen des frischen Subtrats zu verhindern, kann die Oberfläche mit gröberem Kies oder mit feiner Pinienrinde abgedeckt werden. Schaut gut aus und beugt auch Unkraut vor. Alle diese Angaben beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen in mehr als 10 Jahren Bonsaipflege. Viele Dinge sind wahrscheinlich nicht nach dem "Lehrbuch" oder widersprechen althergebrachten Aussagen. Ich kann nur betonen, dass diese Vorgehensweise sich bei mir bewährt hat, immer bezogen auf die Verhältnisse bei mir vorort. Sicherlich ist auch nicht alles was ich mache richtig, aber solange es funktioniert... .
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