Bonsaifreunde Teck und Umgebung
Bonsaifreunde Teck und Umgebung

Wir wollen mal versuchen hier hin und wieder ein paar Tipps zum Besten zu geben - ob sie Euch vom Hocker reissen, werden wir ja sehen.

Beginnen möchten wir heute (13.01.2016) mit einem Tipp, den wir im Internet entdeckt haben, nämlich wie man Moos "züchten" kann. Das aussergewöhnliche daran ist, dass man mit dieser Methode gezielt vorbestimmte Flächen bemoosen können soll.

Hier der Originaltext:

How To Grow Your Own Moss?
Take a clump of healthy moss and crumble (zerkrümeln) it into your blender (Mixer). Add 2 cups of buttermilk and 2 cups of water. Blend at the lowest speed until it is completely mixed and the consistency of a thin milk shake. Paint the mixture onto rocks, pots or statuary, or simply pour it on the ground wherever you'd like your moss to grow.

Für Rückmeldungen, ob Ihr Erfolg damit hattet, wären wir dankbar.

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Tipp Nr. 2  befasst sich mit der Vemehrung von Rosen durch Stecklinge, kommt      - wie so vieles mehr - auch aus dem Internet, soll angeblich wunderbar funktionieren (also kein fake sein, wie die erst kürzlich propagierte mögliche Kreuzung einer Banane mit einer Kiwi), wurde aber von mir noch nicht ausprobiert, ist deshalb also, wie jeder Tipp auf dieser Seite unverbindlich.

 

Angenommen, ihr steht plötzlich vor eurer Traumrose und ihr wollt UNBEDINGT die genau gleiche Rose in eurem Garten haben: Dann versucht diese oder eine dieser Rosen mit einem verbleibenden ca. 30 cm langen Stiel vom Besitzer geschenkt zu bekommen und/oder unten schräg abzuschneiden und mitzunehmen.

 

Daheim angekommen bereitet ihr eine Stelle im Beet oder in einem etwas größeren Blumentopf vor, die eine gute Wässerung garantiert, also z.B. Löchlein in der Erde ausheben und halb mit Sand füllen.

 

Die obere Blüte der Rose kommt in ein kleines Väslein (Vorfreude). Am übrigen Stiel schneidet ihr die Dornen, Blätter und kleinere Zweige ab. Mit z.B. einem Schraubenzieher macht ihr ein Loch in eine rohe, ungeschälte, etwas größere Kartoffel (Sorte ist wurscht) und steckt den Zweig (also den wie oben vorbereiteten Steckling) hinein. (Nur 1 Steckling pro Kartoffel). Die Kartoffel dann in die Erde oder den Blumentopf, noch etwas Sand drauf, dann mit Erde zudecken. Der Steckling sollte dann etwa zur Hälfte in dem Grüblein/Blumentopf stecken. Gießen nicht vergessen und warten ….

 

Ob das verlässlich funktioniert und ob das auch bei anderen Stecklingen angewendet werden kann, werde ich selbst ausprobieren und irgendwann davon berichten. Falls ihr schneller mit euren Versuchen seit und womöglich eine sensationelle Entdeckung hierbei macht, wäre ich bzw. wir für eine kurze Nachricht dankbar (E-Mail-Adressen könnt ihr aus der homepage entnehmen). Viel Spaß bei euren Versuchen.

 

6 Wochen später: Bei meinem Versuch (siehe Bild) ist ein weiterer Effekt eingetreten. Ich werde aus der benutzten Kartoffel wohl irgend wann zusätzlich einen Kartoffelsalat zubereiten können :-)

 

 

Über Schnittmaßnahmen bei Rosskastanien

 

Diesen Tipp veröffentlichen wir hier mit einem etwas "schlechten Gewissen". Er stammt von Andreas R., den wir mehrmals versucht haben zu kontaktieren - leider ohne Erfolg. Da - wie wir meinen und in Selbstversuchen herausgefunden haben - dieser Tipp einfach genial ist, wollen wir andere Bonsaiinteressierte jetzt nicht mehr länger warten lassen, zumal das neue Jahr 2018 gerade begonnen hat und - wenn man will - sich diese Hinweise demnächst umsetzen lassen würden.

Die Eignung als Bonsai

 

Die Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) hat unter vielen Vorurteilen zu leiden. Das geht schon damit los, dass man sie "Kastanie" nennt, dabei ist sie gar keine. Als Seifenbaumgewächs ist sie mit den Ahornen verwandt und hat deshalb gegenständige Blätter. Oft hört bzw. ließt man auch, sie sei nicht als Bonsai geeignet, wenn überhaupt dann nur für sehr große Bonsai, weil man die riesigen Blätter nicht kleiner bekommt. Auch sei sie sehr schwer zu pflegen und verzweigt kaum. Deshalb sieht man, besonders auf Ausstellungen, aber auch in Privatgärten eher selten Rosskastanien als Bonsai.

 

Das stimmt alles nicht!

 

Die Rosskastanie ist eine der pflegeleichtesten Arten, also durchaus auch für Anfänger zu empfehlen. Trotz ihrer Herkunft aus dem Balkanraum ist sie sehr winterhart. Sie ist sehr wüchsig, der Stamm verdickt schnell. Verzweigung und auch Rückknospung bis an den Stamm kann man leicht erreichen, dadurch können auch Gestaltungsfehler ausgebügelt werden. Die Blattgröße kann mit einfachsten Schnittmaßnahmen sehr schnell auf ein Maß reduziert werden, das auch für mittelgroße Bonsai oder sogar Shohin passt. Ebenso können bei Rosskastanien schnell Fortschritte erzielt werden, wenn man sie richtig behandelt.

 

Dabei ist eine Sache von entscheidender Wichtigkeit:

Das Herausbrechen der Spitzenknospen

 

Wenn man mit mehr oder weniger erfahrenen Bonsaianern über Rosskastanien spricht, dann kommt sehr häufig das Thema auf, wann denn der beste Zeitpunkt zum Herausbrechen der Spitzenknospen sei. Im Herbst? Oder erst im Frühjahr vor dem Austrieb?  Würde ich meinen Artikel jetzt hier für heute beenden und erst morgen früh weiter schreiben, dann wären da bestimmt schon drei Seiten Diskussion zu dem Thema.

Dabei würde ich schätzen, dass ca. 60% für den Herbst sind, 30% meinen man müsste die im Frühjahr herausbrechen und vielleicht 10% sagen das sei egal.

 

Ich habe aber festgestellt, und das wird wahrscheinlich erst recht Diskussionen auslösen: Das Herausbrechen der Spitzenknospen ist der größte Fehler den man machen kann.

 

Wer ist denn überhaupt auf diese Idee gekommen? Steht das in irgendeinem Buch? Ob man das im Herbst oder im Frühjahr macht, beides hat den gleichen Effekt. Man entfernt die Hauptknospen des Baumes, in denen die meisten Reserven stecken und zwingt ihn aus den kümmerlichen Seitenknospen auszutreiben. Natürlich ist dieser Austrieb schwächlich und der Baum kann über die Wachstumssaison kaum neue Reserven anlegen. So geht das Jahr für Jahr. Jetzt höre ich in Gedanken schon wieder die Aufschreie: "Der bekommt ja dann viel zu lange Internodien!" Ja, klar. Knapp 30cm habe ich dieses Jahr bei einem Exemplar gemessen, also nur das Internodium, nicht der gesamte Trieb. Wie soll das dann gehen?

 

Im Prinzip ist die Rosskastanie auch nur ein Baum wie jeder andere und was ich jetzt Schritt für Schritt beschreibe ist eigentlich ganz einfach und im Prinzip nur die Anwendung der "Heckenschnittmethode" auf die Rosskastanie.

 

1.Wachsen lassen

 

Die Spitzenknospen wurden also nicht ausgebrochen, prall und dick glänzen sie in der Frühlingssonne. Dann folgt ein gewaltiger Austrieb. Den lässt man, und das erfordert einige Überwindung, bis ca. Anfang, Mitte Mai wachsen.

Das kann in manchen Jahren auch 1-2 Wochen früher oder später sein, je nach Witterung. Der Baum sieht dann z.B. so wie oben aus.

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Unglaublich, ein Gebüsch und kein Bonsai. So etwas will man doch nicht auf dem Regal stehen haben.  Doch! "Es muss viel wachsen, damit man viel wegschneiden kann." [W.P.] Gleich gehts weiter...

 

 

   2. Vollständiges Entfernen der Haupttriebe

 

Die Haupttriebe, also jene Triebe, die aus den Spitzenknospen gewachsen sind, erkennt man deutlich. Sie sind sehr dick und lang.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Triebe werden vollständig entfernt, man scheidet sie direkt an der Basis, dort wo man noch die Hülle der ehemaligen Spitzenknospe erkennt, ab.

 

 

 

Die extrem langen Internodien sind also ohne Bedeutung, weil jetzt sind sie weg.

 

 

 

Hat man das am gesamten Baum gemacht, sieht er z.B. so aus:

 

 

 

 

 

Nur bei diesem ersten Schritt ist schon diese Menge an Material angefallen, da lohnt es sich schon den Schubkarren zu holen.

   3. Schnitt der sekundären Triebe

 

Als nächstes schneidet man die sekundären Triebe, also jene, die nicht aus den Spitzenknospen gewachsen sind, aber doch recht kräftig und lang sind. Häufig findet man diese Triebe rechts und links von der ehemaligen Spitzenknospe, es können aber auch die Spitzentriebe von schwächeren Ästen sein.

 

Auch hier ist das erste Internodium noch zu lang. Das erste Blattpaar hat meist sehr lange Stiele.

 

Hier umfasst man mit der linken Hand von unten her den Trieb und die beiden unteren Blätter, so dass man mit einem Schnitt gleichzeitig den Trieb und die Blätter abschneidet. Das unterste Knospenpaar bleibt stehen.

 

(Ich kann nicht gleichzeitig schneiden und fotografieren, man sieht aber was ich meine)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Ergebnis am gesamten Baum:

 

 

 

   4. Entfernen der zu langen Blätter

 

Nachdem man jetzt nur noch kleine Triebe mit sehr kurzen Internodien am Baum hat, stechen einzelne Blätter ins Auge, die über die Silhouette des Baumes hinaus ragen, weil sie einen sehr langen Blattstiel haben. Die schneidet man einfach ab, so dass noch ein kurzes Stück vom Blattstiel verbleibt.

 

((( Anmerkung: hier fehlt leider das Bild vor dem Schnitt - also das mit den Blättern, die links und rechts unten am Rand des Kartons ersichtlich ( mit den langen Blattstielen ) - wuchsen. )))

 

Und schon hat man einen Baum mit sehr kleinen Blättern und sehr kurzen Internodien, also durchaus vorzeigbar.

 

Der Ast unten links wurde nicht bearbeitet. Er war vor zwei Jahren noch gar nicht da und soll durchtreiben um möglichst schnell Dickenzuwachs zu machen. Es ist der unterste Ast, soll also der dickste werden.

 

 

 

 

Vorteile der Methode

 

Zunächst einmal spart man sich das Ausbrechen der Spitzenknospen, was ja schon ein bisschen eklig ist so wie die kleben.

 

Hauptgrund ist aber, dass diese riesigen Triebe, die aus den Spitzenknospen entspringen, einige Wochen lang eine große Photosynthesefläche haben und bevor man sie abschneidet dem Baum Assimilate, also Energie liefern. Zusätzlich produzieren sie noch Hormone, die das Wurzelwachstum fördern.

Schneidet man jetzt dem Baum, dem schon gewisse Reserven zur Verfügung stehen und der ordentlich Wurzeln gemacht hat diese Triebe ab, dann treibt der sofort wieder aus allen Löchern, macht massive Rückknospung usw.

 

Letztes Jahr im Sommer hatten wir hier einen Thread "Meine Rosskastanie macht einen zweiten Austrieb". Es kamen Antworten wie "Also meine macht immer nur einen".

 

Eine Rosskastanie, die nach der oben beschriebenen Methode geschnitten wird und dazu noch ordentlich Hühnermist und Flüssigdünger bekommt macht sogar drei Austriebe pro Jahr. Dass sie schneller Fortschritte macht als eine mit nur einem Austrieb ist ja wohl klar.

 

Durch die massive Rückknospung, auch bis zum Stamm, kann man auch aus wenig verzweigten und zu stark in die Peripherie gewachsenen Rosskastanien innerhalb weniger Jahre einen gut aufgebauten Bonsai machen. Lange, unverzweigte Äste bekommen bald Triebe an brauchbaren Stellen, auf die man sie absetzen kann.

Übrigens werden durch den starken Zuwachs Schnittstellen so schnell überwallt, dass man fast dabei zusehen kann.

 

 

Hallo Andreas,

bis auf die Sache mit den Spitzenknospen bin ich bei meinen Kastanien so ähnlich unterwegs.  Das werde ich mir fürs nächste Jahr merken. Aber zwei Austriebe sind jedes Jahr gesichert.

 

Also: Vielen Dank für deine Bestätigung meiner Vorgehensweise !  

 

In den Spitzenknospen verbergen sich meist auch die Blüten, wer also mal die Chance auf eine blühende Kastanie erhöhen möchte ...

 

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Und noch was anderes Interessantes - nicht nur für Bonsailiebhaber - :

 

Früher galt die Regel, große Schnittwunden mit Baumwachs zu verstreichen bzw. zu verschließen. Inzwischen weiß man, dass dies die Selbstheilungskräfte des Baumes behindert. Fachleute sind sich sicher, dass es viel wichtiger ist, beim Arbeiten darauf zu achten, dass der Schnitt sauber ausgeführt ist und glatte Wundränder zurückbleiben, die vom Baum rasch verschlossen und überwallt werden. Sie befürworten auch den Sommerschnitt, weil dann die Wunden schneller heilen.

 

((( aus "kraut & rüben" Heft: 03/2018 )))

 

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